Internet vs. Mittelalter PDF Drucken E-Mail
Internet
Montag, den 30. Januar 2012 um 18:42 Uhr

"Wer dem Internette frönt und ihm zubilligt einen gehörigen Einfluß auf die Gesellschaft des Herrn zu haben, der sei gewahr, dass dem Internet zerstörerische Kräfte innewohnen, deren jedweder Genuß sich letztendlich in einem wahren Höllenfeuer für den Benutzer offenbaren wird."

So oder so ähnlich, ich bin dem mittelhochdeutschen nicht wirklich firm, könnte sich eine Äußerung der Mächtigen angehört haben, falls es das Netz schon im Mittelalter gegeben hätte.

Ähnlich hören sich aber die Verlautbarungen des CDU-Politikers Ansgar Heveling (MdB) an, der am 30.01.2012 im Handelsbaltt einen entsprechenden Kommentar verfasst hat. Bitte nicht lachen, das hat er ernst gemeint und das Handelsblatt ist nicht für seine Satire berühmt.

Aber im Ernst, wie kann ein Politiker, der noch dazu nicht mal zu den älteren Semestern unserer Volksvertretung gehört, einen solchen Stuß vom Stapel lassen? Ich habe ihm diesbezüglich einen Brief per Taube zustellen lassen. Die Antwort erwarte ich in einigen Tagen. Falls die Taube nicht per Pfeil und Bogen vom Himmel geholt wird. Immerhin ist es ja eine Strecke nach Berlin.

Zu seinen Gunsten gehe ich mal davon aus, dass er, vom Lobbyismus der Rechteverwerterindustrie unterstützt, ausssagen wollte, das Internetpiraterie der falsche Weg ist. Dem mag man ja auch noch zustimmen. Aber Internetpiraterie dann noch mit der Piratenpartei gleichzusetzen ist doch schon wirklich etwas weit hergeholt.

Die Forderung der Piraten nach Transparenz und Mitbestimmung der Bürger in der Politik als Tod der Demokratie zu werten ist doch etwas sehr weit hergeholt. Zumal er als Beispiel die französische Revolution bemüht, bei der es um nichts anderes allerdings auf einer anderen Ebene ging. Aber vielleicht sieht er sich ja als digitalen Robespierre und möchte gerne die Herrscher des Internet digital guillotinieren lassen. Nur leider übersieht er dabei, dass es die Bauern, die kleinen unbescholtenen Nutzer es sind, die diese Revolution losgetreten haben. Und er gehört nun mal nicht dazu, sondern er gehört zur feudalen Klasse, die versucht das Volk weiterhin dumm zu halten und nur Politik für diejenigen zu machen, die auch entsprechend dafür bezahlen.

Der größte Hohn bei dieser Lachnummer ist ja (und ich habe beim lesen des Artikels und der Kommentare dazu wirklich Tränen gelacht), das ein solcher Mensch auch noch in der Enquete-Kommision "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestages sitzt. Ein Schelm wer jetzt denkt, dabei könnte es sich um taktisches Kalkül der ach so Christlichen Deutschen Union handeln.

Gelesen auf: Netzpolitik.org

 

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